25.09.2025 14:05 Uhr
An diesem Sonnabend (27.September 2025) kommt es im Ostseestadion (Anpfiff 14 Uhr) zu einer Premiere, denn bisher gab es in der fast 60-jährigen Vereinsgeschichte des F.C. Hansa noch kein Pflichtspiel gegen den Turn- und Sportverein (kurz: TSV) aus Havelse in Niedersachsen. Zu groß war über Jahrzehnte der Abstand der jeweiligen Spielklassen, sodass es nicht zu direkten Aufeinandertreffen kommen konnte. In den 1960er und 70er Jahren war die Mannschaft aus der Nähe von Hannover in der fünfthöchsten Spielklasse anzutreffen. Unter anderem der ehemalige Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf, der in der direkten Umgebung aufgewachsen ist, bestritt hier seine ersten Spiele im Herrenbereich und wechselte später zum großen Nachbarn Hannover 96, um hier seine Bundesliga-Karriere zu starten.
In den 1980er Jahren etablierte sich der TSV Havelse in der drittklassigen Oberliga Nord, in der Saison 1990/91 spielte das Team unter dem späteren Freiburger Erfolgstrainer Volker Finke sogar in der 2. Bundesliga, stieg aber umgehend ab und musste zeitweise einen Niedergang bis in Liga 6 verkraften. Erst seit 2010 ist der Verein fast ununterbrochen in der Regionalliga Nord (4. Spielklasse) wieder in halbwegs professionellen Strukturen unterwegs. 2021/22 gelang sogar erstmals der Aufstieg in Liga 3, mit nur 23 Zählern stieg die Mannschaft aber nach nur einer Saison sang- und klanglos wieder ab. Im vergangenen Sommer siegte der Regionalliga Nord-Meister in den unsäglichen Aufstiegsspielen gegen den Nord-Ost-Meister 1.FC Lok Leipzig und feierte so die Rückkehr in den bezahlten Fußball - und dieses Mal will sich der erneut als krasser Außenseiter gestartete TSV aber versuchen, in der 3.Liga zu etablieren.
Das ist bisher allerdings noch nicht so gut gelungen, denn nach sieben Spieltagen warten die Niedersachsen noch auf den ersten Saisonsieg. Sie sind neben den Bundesligisten Mönchengladbach und Heidenheim (die allerdings erst vier Spieltage absolviert haben) das einzige Team ohne Sieg in den ersten drei Ligen Deutschlands. Mit drei Zählern rangiert die TSV-Mannschaft auf dem 19. und damit vorletzten Tabellenplatz, nur Mitaufsteiger Schweinfurt steht aufgrund des schlechteren Torverhältnisses dahinter. Dennoch sollte Vorsicht geboten sein, zu unterschätzen sind die Havelser trotz dieser Bilanz nicht! Denn diese drei Punkte wurden gegen Spitzenreiter Duisburg (1:1) sowie gegen Essen (1:1) und Hoffenheim II (0:0) geholt – gegen die beiden Letztgenannten hat die Kogge in dieser Saison bereits verloren (0:1 im Heimspiel gegen Hoffenheim II und zuletzt 0:3 in Essen).
Zu den Stützen der Mannschaft zählen neben dem bundesligaerfahrenen Nassim Boujellab (Marokko), der bereits 30 Erstliga-Einsätze für den FC Schalke 04 absolviert hat, mit Julius Düker (23-mal 2. Liga für Braunschweig und Paderborn, 138 Drittliga-Partien) und dem Vorjahres-Torjäger Marko Ilic (17 Tore in 30 Spielen) zwei Spieler aus der unmittelbaren Region. Auch der gebürtige Rostocker Johann Berger, Enkelsohn von Hansa-Legende Herbert Pankau, der einst das Fußballspielen in der Hansa-Nachwuchsakademie erlernte, hat sich als Neuzugang gut reingefunden und in seinen 5 Einsätzen bereits einmal getroffen. Bester Torjäger ist aktuell John Posselt, er hat drei der bisher sieben Tore erzielt. In der Tabelle der erzielten Treffer steht Havelse damit auf Platz 16 – Schlusslicht mit nur vier Toren ist dabei unser F.C. Hansa…
Dagegen glänzte – mal abgesehen vom letzten 0:3-Auftritt in Essen – bisher die Hansa-Defensive. Mit nur sechs Gegentoren rangiert unsere Mannschaft hier gemeinsam mit Spitzenreiter Duisburg auf Platz 2 (hinter Osnabrück/5). Havelse hingegen präsentierte sich im bisherigen Saisonverlauf noch nicht besonders sattelfest, mit 15 Gegentreffern steht die Mannschaft von Trainer Samir Ferchichi zusammen mit Schweinfurt und Aachen auf dem letzten Platz. Lassen wir uns also überraschen, was der harmloseste Angriff der Liga im heimischen Ostseestadion gegen die löchrigste Abwehr des Klassements zustande bringen wird.