13.05.2026 14:00 Uhr
Sehr geehrter Herr Neuendorf, sehr geehrtes Präsidium des DFB,
die unterzeichnenden Fußballclubs haben die öffentliche Diskussion um die Novelle der bundesweiten Stadionverbotsrichtlinien verfolgt und gemeinsam einer intensiven Prüfung unterzogen. Wir vertreten dabei eine einheitliche Position: Wir Vereine lehnen die Anpassung in ihrer jetzigen Form entschieden ab.
Unsere gemeinsame Verantwortung, der Vereine und der Verbände, gilt einer fairen, verhältnismäßigen und rechtsstaatlichen Anwendung des Instruments „Stadionverbot“. Die nun vorliegenden Pläne gefährden aus unserer Sicht grundlegende Prinzipien des bisherigen Systems und verschieben den Charakter des Stadionverbots von einem präventivpädagogischen hin zu einem repressiven Instrument.
Wir appellieren an den DFB und seine Gremien, diese Position mit Nachdruck gegenüber den zuständigen politischen und innenministeriellen Entscheidungsträgern zu vertreten.
1. Grundsätzliche Bewertung
Die geplante Neufassung verfehlt sowohl inhaltlich als auch im Verfahren den Anspruch eines transparenten, beteiligungsorientierten und fachlich ausgewogenen Regelwerks. Zentrale Werte, die für unsere Fan- und Vereinsarbeit konstitutiv sind, geraten aus dem Gleichgewicht.
Konkret sehen wir folgende Grundprinzipien gefährdet:
2. Zentrale Kritikpunkte
1. Stadionverbote auf Basis bloßer Ermittlungsverfahren
Ein Stadionverbot darf nicht ausgesprochen werden, bevor ein Verfahren rechts- staatlich abgeschlossen ist. Ein solcher Ansatz öffnet Fehlentscheidungen und ungerechtfertigten Einschränkungen Tür und Tor.
2. Beschränkung der Ermessensspielräume
Die geplante Verpflichtung zu zwingenden Maßnahmen verhindert differenzierte, faire Entscheidungen. Unsere Kommissionen vor Ort benötigen Flexibilität, um Tatkontexte, Ermittlungsqualität und persönliche Situationen angemessen zu berücksichtigen und daraus adäquate Entscheidungen treffen zu können.
3. Fachaufsicht mit Weisungsrecht
Ein zentrales Weisungsrecht entmündigt die Vereine als Hausrechtsinhaber und gefährdet betriebliche Abläufe sowie Verantwortlichkeiten. Haftungsfragen und arbeitsrechtliche Konsequenzen bleiben unklar.
4. Unklare Verfahren und Verantwortlichkeiten
Die Rolle der Stadionverbotsbeauftragten, Entscheidungswege und Haftungsregeln sind nicht eindeutig definiert und an jedem Standort unterschiedlich – das schafft Unsicherheit statt Klarheit.
5. Schwächung präventiver Fanarbeit
Fanprojekte und sozialpädagogische Ansätze müssen Bestandteil des Systems bleiben, nicht bloß beratend, sondern verbindlich beteiligt werden.
6. Weitere Bedenken
● zu weit gefasste und auslegungsbedürftige Tatbestände,
● Risiken für Datenschutz und Persönlichkeitsrechte,
● Gefahr der Selbstbelastung Betroffener,
● fehlende unabhängige Evaluation,
● mangelnde Transparenz des bisherigen Erarbeitungsprozesses.
3. Erwartungen an eine Überarbeitung
Wir fordern eine grundlegende Neubearbeitung des jetzigen Novellierungsansinnen, die
Nur auf dieser Grundlage kann das Stadionverbot ein legitimes Instrument verantwortlicher Sicherheits- und Präventionsarbeit bleiben.
4. Schlussfolgerung und Auftrag an den DFB
Die unterzeichnenden Vereine erwarten vom DFB, diese gemeinsame Haltung als Verband offiziell nach außen zu vertreten:
Keine Zustimmung zur derzeitigen Fassung der Stadionverbotsrichtlinie,
Wir stehen für einen Fußball, der Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Dialog in Einklang bringt – nicht für pauschale und zentrale Eingriffe, die Vertrauen und Verhältnismäßigkeit gefährden.
Mit sportlichen Grüßen
Chemnitzer FC
FC Würzburger Kickers e.V.
HFC Chemie
FSV 63 Luckenwalde
FC Carl Zeiss Jena
SV Meppen 1912 e.V.
BSG Chemie Leipzig
FC Eilenburg
FSV Zwickau
SG Dynamo Dresden
VFC Plauen
1. SC Göttingen 05
FC Erzgebirge Aue
1. FC Magdeburg
F.C. Hansa Rostock
Hannover 96 e.V.
SV Babelsberg 03
FC Energie Cottbus
1. FC Lokomotive Leipzig
1. FC Schweinfurt 05
Hertha, Berliner Sport-Club (Hertha B.S.C.) e.V.
Hertha 03 Zehlendorf
FC Rot-Weiß Erfurt
SC Rot-Weiß Oberhausen
1. FC Saarbrücken