06.11.2025 15:47 Uhr
Wenn unsere Kogge am Wochenende gen Süden – genauer gesagt nach Ulm – segelt, kommt es zum erst dritten Mal in der Historie zum Aufeinandertreffen unseres F.C. Hansa Rostock mit dem SSV Ulm 1846. Wieso dieses Duell trotzdem ein Stück deutsche Fußballgeschichte ist und wie die aktuellen Vorzeichen rund um diese Begegnung aussehen, lest ihr wie immer in unserer Spieltagsvorschau.
Am 10. September 1999 trafen beide Teams im Rostocker Ostseestadion zum ersten Mal aufeinander – und dieser 4. Spieltag in der Fußball-Bundesliga sollte ein denkwürdiger werden. Hansa ging nach fünf Minuten durch Oswald früh in Führung, alles sah nach einem „normalen“ Spiel aus, wie es an jedem Wochenende tausendfach in der Fußballwelt stattfindet. Kurz vor der Halbzeitpause begann aber ein Spielverlauf, der in die Bundesligageschichte eingehen sollte. Denn mit van de Haar, Grauer, Wise und schließlich Radoki mussten gleich vier Ulmer mit einem Platzverweis vom Feld. Zumindest für wenige Augenblicke bis zum Abpfiff – Radokis sah erst in der Schlussminute Rot – spielten also elf Rostocker gegen sieben Ulmer – bis heute einzigartig in der Bundesligahistorie. Unser FCH nutzte die zahlenmäßige Überlegenheit – zugegebenermaßen gerade noch so – aus und trug nach dem Siegtor von Victor Agali in der 90. Spielminute einen 2:1-Sieg davon. Kurios: Zuvor gelang Ulm in dreifacher Unterzahl tatsächlich das zwischenzeitliche 1:1 durch Janusz Góra. Eben jener Góra fasste das Spielgeschehen nach Abpfiff kurz und prägnant zusammen, indem er „Skandal!“ in die TV-Kameras brüllte. Nach dem Schlusspfiff kam es zu Rangeleien auf dem Platz, die Emotionen der Spieler und Betreuer kochten hoch. Schiedsrichter Herbert Fandel, der die Partie damals leitete, fasste dagegen nüchtern zusammen: „Ich denke, alle Platzverweise waren korrekt". Im Rückspiel und gleichzeitig dem bislang letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams blieb alles ruhig – nach Treffern von Wibran und van de Haar endete das Spiel im Donaustadion mit 1:1.
Über 25 Jahre später treffen sich beide Mannschaften also wieder. Nichtmehr erst-, sondern drittklassig. Unser FCH auf dem 12. Tabellenplatz, die Ulmer auf Rang 18. Was nach fußballerischer Tristesse klingt, verspricht dennoch ein ebenso stimmungsvolles wie sportlich wichtiges Spiel zu werden. Denn die Ulmer „Spatzen“ stecken nach dem Abstieg aus der zweiten Liga derzeit sportlich in der Krise und wollen mit einem Sieg die Abstiegszone verlassen, unser FCH will den Aufwärtstrend der vergangenen Wochen bestätigen und mit drei Punkten endlich in die obere Tabellenhälfte vorstoßen. Mut machen sollte neben den zuletzt vielversprechenden Leistungen die Verletztensituation. Bis auf die Langzeitverletzten Dominik Lanius, Adrien Lebeau, Milsoz Brzozowski und Dario Gebuhr stehen Chef-Trainer Daniel Brinkmann alle Spieler zur Verfügung. Eine Ausnahme ist dabei Ahmet Gürleyen, der nach seiner fünften gelben Karte im Spiel gegen Verl gesperrt aussetzen muss.
Der SSV musste und muss – wie auch unser FCH – in den ersten Wochen der laufenden Saison viel Verletzungspech kompensieren. Gleich vier Spieler – darunter auch Ex-Hanseat Jonas David – fallen mit einem Kreuzbandriss langfristig aus. Auch das ist natürlich einer der Gründe dafür, dass es in der württembergisch-bayrischen Grenzregion sportlich noch nicht nach voller Zufriedenheit läuft. Zuletzt verloren die Spatzen viermal in Serie und werden damit wohl hochmotiviert in das Spiel gegen unsere Kogge gehen – der Bock soll umgestoßen werden. Das werden unsere Jungs – die von 2.200 Hansa-Fans im Donaustadion unterstützt werden - hoffentlich zu verhindern wissen. Anpfiff an der Donau ist am Sonnabend (08.11.) um 14 Uhr. Alle Informationen für unser Auswärtsfahrer gibt es hier.