08.08.2026 08:44 Uhr
Heute feiert der beste, weil erfolgreichste Hansa-Torjäger aller Zeiten Geburtstag. Rainer Jarohs wird 69. Dem einstigen Klassestürmer wurden die höchsten Weihen fußballerischen Könnens angediehen. Viel Licht! Auch Schatten? Er war vermeintlich ausgestattet mit der Laufbereitschaft eines Gartenstuhls. „Wer viel läuft, der steht schlecht“. Dieses Jarohs-Bonmot erzählte Juri Schlünz im vorigen Jahr bei einer überaus launigen Talkrunde in der Kunsthalle. Beifälliges Nicken im zeitgenössischen Auditorium. Aber konnte man je auf Rainer Jarohs verzichten?
VORSPIEL. Der Fußball kennt unzählige Beispiele von qualitativ höher chargierten Spielern, in denen sich Genie und Wahnsinn wie siamesische Zwillinge zueinander verhielten. „Rainer hat uns mit seiner unorthodoxen Spielweise manchmal selbst überrascht“, verriet Axel Schulz.
HAUPTSPIEL. Stahl Riesa! Dieser Zielort war zu Oberligazeiten selten genug Anlass für Genussreisen des F.C. Hansa. Schon gar nicht am 27. August 1983. Die Zeit (3. Spieltag) war längst noch nicht reif für blanke Nerven. Doch Rainer Jarohs schien beeindruckt zu sein. Traten die Riesaer ihm penetrant in die Hölzer? Sah er sich im Spiel entscheidend beiseitegestellt? Echauffierte er sich über den Auftritt seiner Elf (am Ende 1:3, mit Jarohs-Tor, versteht sich!)? Binnen zwei Minuten nahm das Unheil seinen Lauf: „Gelb“ für Protest-Tiraden, dann „Rot“ für absichtliches Handspiel! Och nö, nicht schon wieder! Bereits vor einem Jahr war Jarohs in Aue des Feldes verwiesen worden. Diesmal dräute Ungemach wie eine Schlechtwetterfront. Findige Chronisten hatten das Strafregister in Zahlen bilanziert: 24 Verwarnungen und zwei Feldverweise in sieben Oberligaserien. In einer fast staatstragenden Depesche verfügte der F.C. Hansa, der sogar ernsthaft einen Rauswurf erwog, das Strafmaß: Sechs Spieltage Sperre! Im Grunde genommen bis zum Jahresende keinen Einsatz mehr.
NACHSPIEL. Diese Konsequenz hatte ihre Crux. Für Jarohs fand sich kein adäquater Ersatz und der andere Genius, Juri Schlünz, hatte sich verletzt. Vier Tore in vier Spielen – die Kogge wackelte minimalistisch durch die Oberliga. Der Mann, der Tore wie Kunstwerke zelebrieren konnte, fehlte an allen Ecken und Enden! Seine „Begnadigung“ war demnach alternativlos. Die besten Schlagzeilen lieferte Jaros sowieso nur dann, wenn er mit seinen Kontrahenten spielerisch ein Tänzchen wagte. Da flogen ihm Sympathiebekundungen und Jubel der Fans nur so zu. Doch dazu gibt es die Lobesgesänge erst zum 70. Man muss auch warten können!