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16.01.2026 21:29 Uhr

Rostocker Elf wühlte sich durch den Morast

Damit könnten wir heute leben: Dramatischer Kampf im Ostseestadion. So las sich das vor 61 Jahren. Und der damalige SK Empor gewann die erste von 59 Partien gegen den SC Wismut Karl-Marx-Stadt. Am Ende hieß es 1:0 für die Rostocker. Damit könnten wir heute auch leben!

F.C. Hansa Rostock

Beifall umtostes Ostseestadion, 25.000 Zuschauer, Spieler und Gegenspieler Arm in Arm vom Rasen – oder was das so war. Jedenfalls fand an diesem 06. Februar 1955 eine Partie auf völlig aufgeweichtem und morastigem Boden statt, die Schiedsrichter Green (Nomen Est Omen!) für bespielbar befand.

„Das bislang als Handballstadt bekannte Rostock hat sein Herz für den Fußball entdeckt und steht nun auch wie eine Mauer hinter dem Verein“, beobachtete der Reporter Heinrich Müller. Der gute Heinrich hatte wie viele republikweit nicht damit gerechnet, dass Empor gegen die titelambitionierte Wismut-Elf die so dringend benötigten Punkte für den Klassenerhalt einfahren würde. Doch die Rostocker Elf, von Trainer Oswald Pfau offensichtlich gut eingestellt, strafte ihre Kritiker Lügen. Das las sich dann so: „…da erhielt der Halblinke Zedel (Empor) an der Strafraumgrenze einen Querpass und feuerte sofort ab. Der Wismut-Torhüter Thiele flog in die bedrohte Ecke und faustete den Ball nach links weg. Dort stand Franz Bialas ungedeckt und flankte unverzüglich vor den Kasten. Thiele war nicht mehr schnell genug hochgekommen. In einer Traube von Abwehrspielern schnellte sich Holtfreter hoch und pickte die Kugel mit der Stirn ins Netz“.

Wismuts große Elf seiner Zeit (am Ende Tabellenzweiter hinter Erfurt) brachte die Wolf-Brüder als Strategen, Willy Tröger als grandiosen Torjäger und „Manni“ Kaiser (erster „Fußballer des Jahres“ in der DDR 1963) hervor. Für Rostock hatte das keine Bedeutung. Eine klüger spielende und vor allem willensstärkere und ehrgeizigere Elf , in der sich Holtfreter als „Mittelstürmer mit moderner Spielanlage“ (so Heinrich Müller) erwies, gewann letztlich verdient.

Und schließlich Rundfunkreporter Werner („Ebse“) Eberhardt: „Ganz langsam schiebt sich der Riesenomnibus mit den Rostocker Fußballspielern und Siegern aus dem Ostseestadion, bahnt sich im Schritttempo seinen Weg durch die glücklich heimschreitenden 25.000 Besucher. Da merkt man, welcher Beliebtheit sich die Männer um Oswald Pfau mehr und mehr erfreuen“.

Am 17. Januar 2026 sind wir bereit für ein neues Kapitel!