02.10.2026 16:30 Uhr
In der ewigen Bestenliste des F.C. Hansa sind für Hilmar "Hille" Weilandt exakt 405 Spiele notiert: Platz 2 hinter Juri Schlünz (406 Einsätze). Hier eine Vereins-Ikone und da noch eine. Große Fußballerkarrieren säumten ihren Weg. Bei "Hille“, der vor wenigen Tagen (29. September 2026) seinen 60. Geburtstag feierte, pflasterten sich zudem haufenweise die Konjunktive.
Hätte der FCH nämlich nicht solch eine verhunzte Oberligasaison 1985/86 absolviert, die so unsinnig wie geradlinig in den Abstieg führte, wäre Weilandts erstes Punktspiel am 20. August 1986 woanders als vor 500 Zuschauern im Berliner Sportforum gegen den BFC II vonstattengegangen. So aber hatte der da noch nicht mal 20-Jährige Gelegenheit, sich künftig mit den Kanthölzern der DDR-Liga aus Prenzlau, Guben, Dessau oder Ludwigsfelde zu messen. Es schien ihm bekommen zu sein, denn in der Saison darauf, wieder im Oberhaus, gehörte "Hille" schon zu den Arrivierten mit Nadelstich-Argumenten. Wohl auch mit Ehrfurcht vor den voranschreitenden Protagonisten Jarohs, Schlünz und Wunderlich, die eine erneut fahrige Kogge auf Kurs in der Liga hielten.
Herrje! Es ging doch auch anders! Weilandt stand in der Elf, die im Pokalfinale 1987 den favorisierten Lok-Fußballern aus Leipzig den Fehdehandschuh hinwarf und trotzdem 1:4 verlor. Schon da dämmerte es vielen Hansa-Sympathisanten: Die Mannschaft konnte es, wenn sie wollte. Die Saison 1988/89 lieferte ein wichtiges Exempel mit Platz 4 und der ersten EC-Teilnahme seit 20 Jahren. Und der stille "Hille", ein Techniker von hohen Gnaden, tauchte im Dunstkreis der DDR-Nationalmannschaft auf…
Zwei Länderspiele 1990 für Weilandt in politisch bewegten Zeiten – sie waren beredtes Zeugnis für stabile Leistungen. "Hille" setzte mit dem F.C. Hansa dem Ganzen noch die Krone auf: Meistertitel und Pokalsieg 1991. Der vergängliche DDR-Fußball hatte im hohen Norden noch einmal Glanzlichter aufgesteckt. Die Bundesliga rief 1991/92 mit Abenteuer, Proporz und Unwägbarkeiten und der ehrgeizige Frischling von der Ostseeküste zerrieb sich im Ränkespiel des Profifußballs. Nicht auszudenken, wenn er die Erfahrungen vorab schon gehabt hätte…
Verletzungen, immer wieder Verletzungen bremsten den filigranen Fußballer aus. Reine Spekulation, wo "Hille" sonst wohl gelandet wäre. Bei der spektakulären Bundesliga-Renaissance 1995/96 (Platz 6) unter Frank Pagelsdorf gehörte Weilandt zu den besten Spielern des Vereins und sorgte für Furore bundesweit. Im Zenit seines Wirkens empfing "Hille" schließlich auch die Weihen, die ihm zustanden. 2002 beendete die stille Legende eine große Karriere.