11.02.2026 12:53 Uhr
Zwei Punktspiele gegen den VfL Osnabrück im Jahr 2014 gehören zu den denkwürdigsten Partien, die der F.C. Hansa je absolviert hat. Beide Male waren die Fans hellauf begeistert, obwohl es keinen Sieg gab. Was für Zeiten!
Spätestens jetzt gehörte der Satz „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ auf den Prüfstand, wenn nicht sogar auf den Index. Was der FC Hansa am Freitagabend (31. Oktober) in schaurig-schöner Flutlichtatmosphäre seinen Fans bescherte war derart irrational, dass die Geisterstunde an Halloween passte wie die Faust aufs Auge. Osnabrück? Da war doch was! Tatsächlich hatte der F.C. Hansa im Februar bei lausigen Temperaturen gegen die Osnabrücker (1:1) eine dramatische Spielregie inszeniert, die ihresgleichen suchte: Zwei Elfmeter gegen Hansa in den ersten zehn Minuten, einer verwandelt, einer von Jörg Hahnel gehalten. Ausgleich für die Rostocker und dann zwei Platzverweise gegen sie. Zuschauertumulte auf der Südtribüne, Spielunterbrechung und fortan schlingerte die Kogge mit neun Aktiven gegen elf Osnabrücker fast 50 Minuten auf dem Platz umher, um mit letztem Einsatz (Sebastian Pelzer) wenigstens noch das Remis zu sichern. Eine unglaubliche Partie wurde von den Hanseaten euphorisch gefeiert.
Und nun? Nun stand wieder Osnabrück ante portas. Und erneut war dessen Trainer Maik Walpurgis nach dem Spiel völlig perplex. Sein Team hatte in der Partie nichts Außergewöhnliches bewirkt und dennoch mit 2:0 geführt. Menga, der einst im Hansa-Trikot kaum eine Rolle spielte, und Feldhahn, der einen Strafstoß verwandelte, schossen die Hanseaten in tiefe Depression. Denn die gingen zwar mit viel Engagement zu Werke (was sonst nach den desaströsen Darbietungen vorher gegen Großaspach, in Köln und bei den Stuttgarter Kickers?), besaßen aber kaum zwingende Chancen zum eigenen Torerfolg. Nein, im Grunde war für Hansa mit dem 0:2 nach 90 Minuten das Spiel so verloren, wie es das Resultat ausdrückte. Nichts, aber auch rein gar nichts deutete darauf hin, dass in fünf (!) Minuten Nachspielzeit noch was gehen würde. Und dann diese unfassbare Hatz auf das Osnabrücker Tor, die der eingewechselte Mustafa Kucukovic mit zwei Toren zum 2:2 veredelte.
„Hansas Talfahrt geht weiter“, stand abends im Video-Text der ARD. Das war, gelinde gesagt, nichtzutreffend. Natürlich blieb Hansa seit fünf Spielen ohne Sieg und riss auch das dritte Remis nacheinander eigentlich nicht vom Hocker – aber wie Vollmanns Truppe aus diesem Spiel mit seiner geisterhaften Zuspitzung herauskam verlangte größten Respekt. Hansa sammelte an Halloween die Süßigkeiten und Osnabrück gruselte es.