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30.04.2026 09:04 Uhr

Hansa historisch: Erst die Fackel, dann das Feuer

Vor 45 Jahren elektrisierte ein Oberligaspiel zwischen dem F.C. Hansa und dem Meister BFC Dynamo die Massen. Am Ende einer rassigen Begegnung stand es leistungsgerecht 4:4.

F.C. Hansa Rostock

Der Rückblick kitzelte nur noch einmal die Gemüter. Zwei Jahre zuvor, am 21. April 1979, empfing Hansa als designierter Absteiger den zukünftigen Meister BFC. Hier die Kümmernis mit viel Wollen und nichts Zählbarem, dort der Glücksmoment mit dem späten 1:0 zum BFC-Sieg, der am seidenen Faden hing. Ach, es war nur traurig. Zwei Jahre später, am 25. April 1981, stand Hansas Fan-Armada bei Fuß: 30.000 Zuschauer im Ostseestadion und der rotzfreche, weil selbstbewusste Aufsteiger hatte bis dato noch kein Heimspiel verloren. Ante portas klingelte nun Meister BFC – und der begehrte mehr als nur Einlass!

Die Hauptstädter in Bestbesetzung und Hansa in Nöten! Kische und Mittelfeldmotor Mischinger nicht dabei. Na und? Trainer Harry Nippert nominierte einen gewissen Norbert Wollschläger als Libero, stellte den wuchtigen Ronald Adam in die Deckung und präsentierte den feinen Techniker Jürgen Uteß im Mittelfeld.

Die Partie begann mit intensiven Geplänkeln, in denen der Meister zunächst mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen hatte. Der ganz große Ballzauber blieb noch aus bis Hansa in der 29. Minute einen Freistoß zugesprochen bekam. Uteß schlug das Leder hoch in die gefährliche Zone, Rainer Ernst rutschte der Ball über den Scheitel und der hinter ihm lauernde Rainer Jarohs donnerte das Streitobjekt volley in die Maschen. Was für eine Fackel! Noch ehe der 1.98 Meter große Bodo Rudwaleit im Tor das Geschehen realisierte war der Ball auch schon wieder draußen. Ein Fanal zweifellos, denn nun war so richtig Feuer in der Partie. Gerade noch hatten in der Halbzeitpause die Fans das spektakuläre Tor voller Hingabe analysiert, da kam neuer Gesprächsstoff hinzu: Ronald Adam mit dem 2:0. Als erste Siegesgesänge einsetzen wollten, grätschte Pfiffikus Wolf-Rüdiger Netz mit dem Anschlusstreffer dazwischen. Die Turbulenz der Begegnung speiste sich immer wieder neu: Hansa konterte den bedingungslos angreifenden BFC und der spielte seine ganze Erfahrung gegen die Rostocker aus. Torsten Pügges Treffer zum 3:1 (65. Minute) beantwortete Ralf Sträßer elf Minuten später mit dem zweiten Tor des Meisters. Drei Zeigerumdrehungen später versetzte Jürgen Uteß mit dem 4:2 die Hansa-Fans in einen glückseligen Taumel der Begeisterung: Der Sieg gegen den ewig ungeliebten BFC war quasi eingetütet und doch eine Rechnung ohne Wirt gemacht. Denn der Meister blieb bis zuletzt engagiert, profitierte auch von Fehlern der Hausherren und rettete mit zwei ganz späten Toren das verdiente Remis.