18.07.2025 14:00 Uhr
Gäbe es einen imaginären Schrein in unserem Verein, in dem wir die tausenden Spieler, die je bei uns aktiv waren, kategorisieren würden, dann gehörte Axel „Schulle“ Schulz in die oberste Schublade. Nach fast 60 Jahren Vereinszugehörigkeit verabschieden wir einen Großen. Als Sportler. Als Mensch. Als Hanseat!
Auf diesen 19. August 1978 hatte die Hansa-Fangemeinde nämlich nur gewartet: Am 1. Oberligaspieltag der Saison 1978/79 rauschte die Kogge mit Highspeed über Union Berlin hinweg. Für die Zuschauer wie ein Labsal nach länger Dürre. Als die perplexen Köpenicker zu sich kamen, stand es 4:0 für Hansa. Mittendrin in diesem Fußball-Furioso der Rostocker befand sich der erst 19-jährige Axel Schulz, der mit wehenden Haaren auch schon mal optisch die Richtung gab.
Ein Jahr zuvor gab „Schulle“, der ein Jahrzehnt lang Hansas Talenteschmiede durchlief, sein Debüt bei den Männern: DDR-Liga, ISG Schwerin Süd, Dorfkulisse. Noch heute sucht die Analyse nach schlüssigen Argumenten, warum eine der spielkulturell stärksten Mannschaften der Oberliga viermal (1975, 77, 79 und 86) zu den Steppen der Zweitklassigkeit aufbrach. Erst recht bei der Qualität der Spieler. 1980 konnte ein Jahr der Zäsur sein. Hansa hielt den Paternoster (drei Abstiege, drei Aufstiege) an und spielte stattdessen in einer halben Dekade mehr oder weniger die Konkurrenz schwindlig. Schulz als Pacemaker. „Axel war ein genialer Fußballer, technisch stark und schnell“, erklärt Rainer Jarohs, Hansas bester Torjäger aller Zeiten. So kamen die Auswahlberufungen für „Schulle“ nicht von ungefähr. Drei Länderspiele, Olympiaauswahl. Nach erfolgreicher Qualifikation für Olympia in Los Angeles 1984 war das Team schon eingekleidet, quasi in Hut und Mantel, als politische Doktrin die Reise übern großen Teich unterband.
Der ewige „Schulle“ – immer präsent, leistungsbereit, Stammspieler. Verlockungen anderer Vereine? „Ich bin ein bekloppter Mecklenburger“, verriet Axel uneingeschränkte Heimatliebe. In den Spätachtzigern hatte sich das Potpourri des hanseatischen Fußballs vor ihm ausgebreitet: Abstieg, Liga-Tingeln, Pokalfinale in Berlin gegen Lok Leipzig („Eines meiner schönsten Erlebnisse“), Wirren in der politischen Wende, dann 1991 Meisterschaft und Pokalsieg. „Nach einem Kreuzbandriss zu Saisonbeginn waren meine Anteile an Meisterschaft und Pokalsieg nur gering“, erinnert Axel sich heute. Doch die wichtigste Saison schien die von 1988/89 zu sein: Hansa holte sensationell den vierten Tabellenplatz und qualifizierte sich so exakt 20 Jahre später für den Europapokal. „Schulle“ mit 17 Oberligaeinsätzen dabei – bitte, geht doch!
„Schulle“, der im Herbst seiner Karriere auch einen passablen Libero abgab, nahm noch die „Stippvisiten“ in der Bundesliga und der Zweiten Liga wahr, bevor er 1993 nach 364 Einsätzen und 61 Treffern dem Leistungssport Valet sagte. Neun Trainer in 16 Jahren – ein Mentalitäts-Kaleidoskop, wie es im Buche steht. Wer war der Beste? „Ich habe gerne unter Jürgen Heinsch gespielt – als Trainer ein harter Hund, aber menschlich top. Er hatte einen guten Draht zu uns Spielern“, verrät Axel.
Von 1996 bis 2009 war „Schulle“ Hansas Pressesprecher. Prädestiniert? „Unbedingt! Sein Vater war Sportjournalist, Axel hatte studiert. Das war absolute Kompetenz, die er überragend herüberbrachte“, erklärt Hansa-Rekordspieler Juri Schlünz. „Bodenständig, klug, zurückhaltend, aber immer mit klarer Meinung“, pflichtet Rainer Jarohs bei. Und „Schulle“ selbst: „Eine stressige, aber auch sehr schöne Zeit, die mit der heutigen nicht vergleichbar ist. Mit dem Aufkommen der Sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder TikTok hat sich die Öffentlichkeitsarbeit durch die direkte Kommunikation mit den Zielgruppen grundlegend verändert. Ich habe Riesenrespekt vor der Arbeit unserer Medienabteilung, die gerade bei Social Media enorm viel leistet.“
Axel im Schlussspurt seiner Laufbahn als Sportkoordinator. Das klingt wie aus dem Ungefähren oder wie gute Seele des Vereins. Ansprechpartner für junge Fußballer, Stadionführungen, Hilfeleistungen, Ratschläge.
Eine lange Fußballer-Laufbahn für unseren Verein endet nun in den wohlverdienten Ruhestand. Wir danken „Schulle“ für alles Geleistete und wünschen ihm das Beste für die nächsten Jahre, das Juri Schlünz so umreißt: „Axel sieht immer noch so aus wie vor 30 Jahren. Also fast. Ab sofort hat er genug Zeit seine Falten zu pflegen“.
Im Rahmen unseres Jubiläumsspiels am Sonnabend (19.07.2025) gegen Aston Villa werden wir Axel auf dem Rasen gebührend verabschieden und uns für seinen Einsatz bedanken.