10.01.2026 22:23 Uhr
Der DDR-Auswahlfußball hat im Frühjahr 1964 seinen ersten internationalen Erfolg. Nach drei Spielen gegen die UdSSR, immerhin Europameister 1960 und WM-Teilnehmer 1962, qualifiziert sich die Mannschaft von Karoly Soos für die Olympischen Spiele von Tokio. Drei Rostocker Spieler reihen sich ein in das Team der erinnerungswürdigen Helden.
Es ist der 31. Mai 1964 und die DDR spielt vor 80 000 Zuschauern in Leipzig gegen die UdSSR ihr erstes Ausscheidungsspiel um die Olympiateilnahme von Tokio. Bereits nach elf Minuten markiert Lokalmatador Frenzel das 1:0. Doch die einen geschlossener wirkenden Eindruck hinterlassenden Gäste drängen vehement auf den Ausgleich, der ihnen Dank eines Mannes verwehrt bleibt: Jürgen Heinsch. Was immer auch die sowjetischen Fußballer veranstalten, der Empor-Keeper reagiert souverän. Von großartig, eindrucksvoll bis hin zu imponierend und ausgezeichnet reicht die Terminologie im DDR-Sportjournalismus und meint eigentlich: Weltklasse! Doch auch Heinsch vermag das späte 1:1 nicht zu verhindern.
Na, das wird eine Hatz, denkt sich der geneigte Fußballfreund eine Woche später, als es im Moskauer Lenin-Stadion vor 85 000 Zuschauern zur Zweitauflage kommt. Jetzt geht die UdSSR früh in Führung (15. Minute), doch die DDR ist nicht schockiert. Eine taktisch reife Leistung wird mit dem 1:1 belohnt. Torschütze? Heino Kleiminger. Der Rostocker offeriert eine fleißige und konstruktive Partie. Herbert Pankau brilliert als energischer Balljäger. Und "Dackel" Heinsch? Zwei Glanzparaden in den Schlussminuten verleiten den sowjetischen Ex-Nationaltorhüter "Tiger" Chomitsch zur Expertise: "Heinsch ist ein Torhüter von absoluter Extraklasse".
Es ist der 28. Juni 1964 und nun muss in Warschau die Entscheidung fallen. Wird sie auch. Heinsch ist diesmal dabei aber nicht mittendrin. Andere, wie die clevere Läuferbegabung Pankau, sind gefragt. Nach 16 Minuten wirft die DDR den Fehdehandschuh. Der bereits verletzte und dafür umso mehr zu bewundernde Kleiminger trifft mit tollem Schuss zum 1:0. Dann kommt die 40. Minute: Kleiminger ist auf links außen in Ballbesitz. Querpass zum aufrückenden Pankau. Der passt sofort steil auf Urbanczyk. Der feuert ab: Rumms! 2:0! "Diese Kombination hatte in Ausführung und Vollendung Weltklasseformat", entfährt es Rundfunkreporter Wolfgang Hempel. Dem Anschlusstor der UdSSR folgen zwei sagenhafte Treffer von Vogel (direkte verwandelter Eckball) und Fräßdorf zum 4:1. Die Überraschung (oder mehr?) ist komplett.